

Rund 100 Quadratmeter umfasst die Wandgestaltung am Treppenhausturm des Parkhauses Entenpfuhl. »Mural« nennt man diese Art der Wandmalerei, wie man sie aus Großstädten kennt. Dabei werden ganze Gebäudewände von Künstlern gestaltet und bieten so einen weithin sichtbaren Blickfang.
Das Mural in der Euskirchener Innenstadt wurde innerhalb von vier Tagen durch den Künstler Kai »Semor« Niederhausen fertiggestellt. Auch wenn die Anordnung der einzelnen Bildebenen zufällig erscheint – entworfen und auf die Architektur des Turms abgestimmt hat der Künstler die Grundstruktur im heimischen Atelier.
Bürgermeister Sacha Reichelt zeigt sich begeistert von dem gelungenen Kunstwerk. Es sei schön, dass man durch diese Form von Kunst funktionaler Architektur auch Schönheit verleihen könne, so Reichelt.
Wesentlich kompaktere Werke von Kai Niederhausen waren bis vor einigen Wochen in der Ausstellung »Drinnen Stadt Draußen« im Stadtmuseum Euskirchen zu sehen. »Eigentlich ist es viel zu schade, sich diese Art von Kunst nur im Museum anzuschauen. Das muss auf die Straße – schließlich ist das der Grundgedanke von Urban Art«, erklärt der Bürgermeister.
Diesen Gedanken verfolgt auch Kai »Semor« Niederhausen. »Kunst muss im öffentlichen Raum sichtbar sein. Ich finde es einfach schön, wenn man Kunst aus dem Museum herausholt und sie kostenlos erlebbar macht«, sagt der Graffiti-Maler. »Man muss keine Scham überwinden, weil man sich vielleicht nicht traut, ein Museum zu betreten, weil man sich dort möglicherweise beobachtet fühlt«, ergänzt »Semor«. Seine Werke könne man beispielsweise ganz beiläufig auf dem Weg zum Bäcker oder auf dem Rückweg vom Feiern entdecken, sagt der Künstler, der unter anderem bereits in Köln, Leipzig, Wien, Chicago und Miami »Murals« realisiert hat.
Typisch für Kai Niederhausen ist die Verbindung von anspruchsvoller Graffiti-Technik mit abstrakter Gestaltung und Experimentierfreude. Es geht um Strukturen, Formen und Farbwirkungen, die man immer wieder neu und aus verschiedenen Perspektiven entdecken kann.
Die Idee zu dem Projekt kam aus dem Stadtmuseum, wo Werke von Kai Niederhausen im Rahmen der Ausstellung über Streetart und Graffiti zu sehen waren. Dank der Sponsoren Georg Schmiedel und Helga Schmitz sowie Anno Schichler-Koep von der SVE, die den Turm gerne zur Verfügung gestellt hat, wurde es möglich, in Euskirchen eine bleibende Erinnerung an die Ausstellung zu schaffen.