Andreas Bender

Rhein-Hunsrück: Erste Jobmesse für Zugewanderte übertrifft Erwartungen

Simmern. Über 800 Menschen informieren sich zu Job- und Ausbildungsmöglichkeiten im Rhein-Hunsrück-Kreis. Rund 50 Unternehmen und Einrichtungen waren vertreten.
Das Interesse an der ersten Jobmesse für Zugewanderte war groß.

Das Interesse an der ersten Jobmesse für Zugewanderte war groß.

Bild: Hannah Wagner

Am Mittwoch, 2. April, fand in der Hunsrückhalle in Simmern die erste Jobmesse für Zugewanderte im Rhein-Hunsrück-Kreis statt. Die Veranstaltung, die vom Regionalrat Wirtschaft Rhein-Hunsrück (ReWi) im Rahmen der Standortinitiative GELOBTES LAND organisiert wurde, war mehr als ein voller Erfolg: Über 50 Unternehmen und Einrichtungen aus dem Bereich Migration präsentierten ihre Ausbildungs- und Jobmöglichkeiten und boten Unterstützung bei der Suche nach einer Tätigkeit im Rhein-Hunsrück-Kreis. "Mit diesem enormen Zustrom an Besucherinnen und Besuchern hatten wir nicht gerechnet", so Hannah Wagner, die mit dem ReWi-Team die Messe organisierte. Rund 800 Menschen waren nach Simmern gekommen und die Halle platze nicht nur wortwörtlich aus allen Nähten.

 

Ziel der Messe sollte es sein, Zugewanderte bei der Aufnahme einer Tätigkeit oder einer Ausbildung zu unterstützen und Unternehmen eine Möglichkeit zu bieten, dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken. Zielgruppe der Messe waren demnach Menschen mit Migrationshintergrund, Geflüchtete und Ukrainer. Daher lag auch ein besonderes Augenmerk auf deren Unterstützung: Kostenlose Dolmetscherinnen standen zur Verfügung, um Sprachbarrieren abzubauen, den Austausch zwischen Unternehmen und potenziellen Mitarbeitenden zu erleichtern und um über die Messe zu begleiten.

 

Es käme einem fast so vor, als hätten die Menschen regelrecht auf so eine Veranstaltung gewartet, sagte Guido Brachtendorf, Inhaber des Landgasthofs Altes Stadttor aus Kastellaun, der als Vertreter des DEHOGA den Bereich Gastronomie präsentierte. "Es sind alle so wissbegierig, freundlich und interessiert - es macht richtig Spaß", sagte er inmitten der Menge an Besuchern, die zwischen 15 und 18 Uhr in die Hunsrückhalle gekommen war. Viele Unternehmen hatten selbst Mitarbeitende dabei, die unterschiedlicher Herkunft sind und verschiedene Sprachen sprechen, um auf die besonderen Bedürfnisse der Zugewanderten einzugehen und zu zeigen, dass sie offen für Vielfalt und andere Kulturen im Unternehmen sind.

 

Von 15 bis 18 Uhr konnten die Besucher aus einer Vielzahl von Ausstellern wählen und sich über berufliche Perspektiven informieren. So waren rund 180 Vertreter von im Rhein-Hunsrück-Kreis ansässigen Unternehmen vertreten und konnten die Besucher zu beruflichen Perspektiven und auch Anerkennungsverfahren und -möglichkeiten beraten. Die Vielfalt der Aussteller spiegelte sich auch in den vertretenen Branchen wider: Von Industrie und Handwerk über Einzelhandel bis hin zu sozialen Berufen, Pflege und auch Gastronomie waren zahlreiche Arbeitgeber vertreten. "Es ist ermutigend zu sehen, dass so viele Unternehmen bereit sind, das Potenzial von Zugewanderten zu erkennen und zu nutzen", betonte Achim Kistner, Geschäftsführer beim Regionalrat Wirtschaft.

 

Zur Begrüßung der Ausstellenden waren der Landrat des Rhein-Hunsrück-Kreises Volker Boch, Dr. Andreas Nikolay als Stadtbürgermeister von Simmern, die Verbandsbürgermeister Michael Boos (Simmern-Rheinböllen) und Peter Müller (Kirchberg), der Vorsitzende des Regionalrats Wirtschaft Thomas Hähn sowie als kurzfristige Vertreterin der angekündigten Staatssekretärin Petra Dick-Walther, Almut Rusbüldt als stellvertretende Leitung der Abteilung Mittelstand, Industrie und Innovation im Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau, gekommen. Nach einem gemeinsamen Rundgang über die Messe unterstrich Boch die Bedeutung der Messe für die Region:
"Die erste Jobmesse für Zugewanderte in unserer Region hat eine überwältigende Resonanz erzeugt. Es war einfach beeindruckend, wie viele Menschen in die Hunsrückhalle gekommen sind und wie gut der Austausch zwischen den Unternehmen und Institutionen auf der einen Seite und der Interessierten auf der anderen Seite war. Aus meiner Sicht war diese Premiere ein voller Erfolg und zeigt, wie wichtig dieses Engagement ist. Wir haben einen erheblichen Fachkräftebedarf und wir freuen uns gleichzeitig über jede einzelne Integration in den Arbeitsmarkt und damit in die Gesellschaft. Beides sind extrem wichtige Zukunftsthemen. Die vielen Gespräche und die neu geknüpften Netzwerke sind ein wichtiger Schritt, um Fachkräfte und Betriebe zusammenzubringen. Ich hoffe, dass daraus auch langfristige Arbeitsverhältnisse entstehen."

 

Unternehmen und Partner der Messe zeigen sich begeistert

Auch von Seiten der Unternehmer war ausschließlich positive Resonanz zu hören, viele hatten die Messe eigentlich als Testballon gesehen und wollten sich an das Thema rantasten. Dass am Ende ganze Stapel an Bewerbungen auf dem Tischen lagen war für viele völlig überraschend. So auch für Annika Bohn, Geschäftsführerin der Lebenshilfe Rhein-Hunsrück gGmbH: "Wir haben überhaupt gar nicht erwartet, dass hier so viele motivierte Menschen sind. Für uns eröffnet das enorme Möglichkeitsräume, neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und vor allem auch Auszubildende zu gewinnen, die sich für den Bereich Pflege und Pädagogik interessieren. Wir sind wirklich begeistert!" Bei einem möglichen nächsten Mal wäre sie definitiv wieder mit dabei.

 

Auch Nadine Schmidt aus dem Bereich Recruiting & Personalentwicklung der Sander GmbH berichtet sehr positiv von der Veranstaltung: "Die Messe war hervorragend organisiert, und wir freuen uns, dass wir Teil dieses Events sein durften. Besonders positiv war für uns der direkte Austausch mit potenziellen Bewerber*innen - bereits vor Ort konnten wir zwei Interessierte zu einem Schnuppertag in unserem Unternehmen einladen und erste Bewerbungen entgegennehmen."

 

Partner des Regionalrat Wirtschaft waren im Rahmen der Jobmesse für Zugewanderte folgende Einrichtungen: Industrie- und Handelskammer (IHK) Koblenz, Handwerkskammer (HWK) Koblenz sowie deren KAUSA-Landesstelle, Kreishandwerkerschaft Rhein-Nahe-Hunsrück, Jobcenter Rhein-Hunsrück, Agentur für Arbeit Bad Kreuznach, Kreisverwaltung Rhein-Hunsrück. Dass vor allem auch das Engagement der ausstellenden Betriebe zum Erfolg beitrug, formuliert Markus Theis, Geschäftsführer des Jobcenter Rhein-Hunsrück: "Die engagierte Beteiligung der Betriebe und insbesondere die vielen interessierten Besucher habe meine Erwartungen übertroffen. Arbeitgeber und Bewerber haben zusammengefunden, besser geht es nicht!" So wurde teilweise auch von dem einen zum anderen Unternehmen weitergeleitet, wenn beim Gesprächspartner z.B. nicht die richtige Qualifikation vorhanden war. Gerade dieses Miteinander zeigt, wie gut das Netzwerk und die Solidarität in der Region funktioniert.

 

Den Mehrwert für die Unternehmen sieht auch Hans-Jürgen Grabe, Geschäftsstellenleiter der Agentur für Arbeit Simmern/Boppard: "Wir von der Agentur für Arbeit sind sehr angetan von der Veranstaltung - nicht nur in Bezug auf die Menge der Besucher, auch das Feedback vieler Arbeitgeber war sehr schön zu hören. Alle waren sehr begeistert von der Motivation der Besucher, deren guter Vorbereitung auf die Messe und natürlich auch von der generellen Organisation. Auch das Feedback, dass sie hier auf der speziellen Messe für Zugewanderte diese nicht in Konkurrenz zu Einheimischen gesehen haben und eventuellen damit verbundenen Nachteilen, spricht für sich und trug unserer Meinung nach sehr zum Gelingen der Veranstaltung und auch zur Zufriedenheit der Arbeitgeber bei."

 

Das Fazit von Seiten des ReWi als Treiber und Organisator der Jobmesse für Zugewanderte: "Die positive Resonanz aller Teilnehmenden zeigt deutlich: Die Jobmesse für Zugewanderte hat nicht nur zur Integration beigetragen, sondern auch das Bewusstsein für die Chancen erhöht, die Zuwanderung für unsere Region mit sich bringt. Wir sind froh, den Unternehmen diese Möglichkeit und Erfahrung geboten zu haben und sind begeistert davon, dass so viele Arbeitgeber vertreten waren", formuliert Achim Kister. Hannah Wagner ergänzt: "Die Veranstaltung hat gezeigt, wie wichtig es ist, Brücken zwischen Zugewanderten und regionalen Unternehmen zu bauen. So konnte nicht nur über Ausbildungs- und Jobperspektiven informiert, sondern auch aktiv dazu beigetragen werden, Hürden durch direkte Kontakte abzubauen."

 

In den kommenden Jahren wird der Fachkräftemangel die Unternehmen noch gravierender treffen, als er es jetzt schon tut. Daher ist es wichtig, jedes Potential zu nutzen und da kann Vielfalt und Offenheit auch ein toller Standortfaktor sein, so beide weiter. Auch wenn die vorbereitende Organisation viel Zeit und Ressourcen gekostet habe, werde man sich wohl kaum davor verwehren können, die Messe im kommenden Jahr erneut stattfinden zu lassen, um am diesjährigen Erfolg anzuknüpfen.


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