

Der Weltautismustag, der 2007 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen ins Leben gerufen wurde, macht weltweit auf die Bedürfnisse von Menschen mit Autismus aufmerksam. 2025 steht der Tag unter dem Motto "Not Invisible" – "Nicht unsichtbar". Das Motto verweist auf die oft verborgenen Herausforderungen, denen viele Menschen im Autismus-Spektrum begegnen. Häufig sind sie gezwungen, ihre wahren Bedürfnisse und Eigenheiten zu verbergen, um in der Gesellschaft akzeptiert zu werden. Autismus wird oftmals als "unsichtbare Behinderung" wahrgenommen, was zu Missverständnissen und sozialer Ausgrenzung führt. Der Weltautismustag fordert, diese Barrieren zu überwinden und die Vielfalt des Autismus sichtbarer zu machen – ein Appell, der weit über den 2. April hinausgeht.
Auch in Trier wurde der Weltautismustag genutzt, um das Thema Autismus stärker in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. Am Stand von Autismus Trier e.V. in der Brotstraße in der Trierer Innenstadt konnten Passanten mehr über das Thema erfahren und sich über die vielfältigen Angebote des Vereins informieren.
Ulrich Frömsdorf, Beisitzer im Vorstand und Vater eines erwachsenen autistischen Sohnes, erklärte: "Zum Weltautismustag möchten wir auf Autismus und unseren Verein aufmerksam machen. Ich wünsche mir, dass Autisten und ihre Angehörigen unsere Angebote wahrnehmen und Unterstützung erhalten."
Autismus Trier e.V. setzt sich dafür ein, die Lebenssituation von autistischen Menschen und ihren Angehörigen nachhaltig zu verbessern. Der Verein informiert durch Beratungsdienste, Veranstaltungen und Öffentlichkeitsarbeit. Neben dieser Aufklärungsarbeit bietet der Verein gezielte Unterstützung, darunter qualifizierte Therapiemöglichkeiten, passende Wohnangebote und Hilfe bei der Integration in den Arbeitsmarkt. Ergänzt wird das Angebot durch Freizeitprojekte und Selbsthilfegruppen, darunter Elternkreise sowie eine Selbsthilfegruppe für autistische Erwachsene.
Gegründet 1989 von Eltern autistischer Kinder, hat sich der Verein stetig weiterentwickelt. Heute betreut die "Autismus Trier – Therapie gGmbH" mehr als 500 Klienten an Stadorten in Trier und der Eifel. Darüber hinaus kümmert sich die "Autismus Trier – unterstützende Dienste gGmbH" um die Themen Wohnen und Arbeiten.
"Ich wünsche mir sehr viel mehr Offenheit, besondere Menschen einzustellen und ihnen so die Teilhabe am Arbeitsleben zu ermöglichen.", sagt Ulrike Reichmann, Leitung des Fachdienstes Autismus und Arbeiten bei Autismus Trier. "Stellen sollten mehr auf Menschen mit Autismus zugeschnitten sein. Wir müssen uns gedanklich auf den Weg machen und uns mit diesen Menschen auseinandersetzen. Wo sind die Stärken, wo sind die Schwächen? Menschen mit Autismus wollen arbeiten und ihre Stärken einbringen, brauchen dafür aber bestimmte Rahmenbedingungen. Das betrifft auch die Unterstützung am Arbeitsplatz. Es braucht niedrigschwellige Angebote, die individuelle Unterstützungsbedarfe flexibel abbilden. Da sind auch die Politik und die umsetzenden Behörden gefragt."
Renate Lafos, Vorstandsvorsitzende vom Autismus Trier e.V. und Mutter einer autistischen Tochter Lena, die im Projekt "Wohngemeinschaft mit Herz" lebt, fügt hinzu: "Ich wünsche mir für Betroffene wie meiner Tochter, dass sie ein möglichst unabhängiges, selbstbestimmtes Leben führen können, mit der notwendigen Unterstützung, die sie dafür brauchen. Sie brauchen mehr Menschen, die sie mit Herzenswärme, Kompetenz und Engagement durch ihr Leben begleiten."
Autismus ist eine neurologische Entwicklungsstörung, die sich auf die Wahrnehmung und Verarbeitung von Informationen auswirkt. Dabei gibt es unterschiedliche Ausprägungen, die unter dem Begriff "Autismus-Spektrum-Störung" zusammengefasst werden. Jeder Mensch im Spektrum ist einzigartig, mit unterschiedlichen Stärken und Herausforderungen. Zu den bekanntesten Formen zählen der frühkindliche Autismus, das Asperger-Syndrom und der atypische Autismus.
Menschen im Autismus-Spektrum haben oft Schwierigkeiten in der sozialen Interaktion, Kommunikation und bei der Wahrnehmung von Sinneseindrücken. Sie können Emotionen nur schwer erkennen und reagieren oft anders als erwartet. Zudem neigen sie zu sich wiederholenden Verhaltensweisen und starken Vorlieben für feste Routinen. Veränderungen in der Umgebung oder bei gewohnten Abläufen können für sie eine große Herausforderung darstellen.
Auch die Verarbeitung von Sinneseindrücken ist oft anders als bei Nicht-Autisten. Lärm oder bestimmte Texturen können für sie unangenehm oder sogar überwältigend sein. Autismus ist eine lebenslange Bedingung, aber mit Unterstützung und Anpassungen können viele Menschen mit Autismus ein selbstbestimmtes Leben führen.
Weitere Informationen zum Autismus Trier e.V. gibt es hier.