

Für seine Kompromisslosigkeit, seinen Ehrgeiz und seinen extremen Hang zum Perfektionismus ist Markus Molitor bekannt. Der Gault Millau nennt ihn auch einen »ewig Getriebenen«, einen furchtlosen »Workaholic«. Die Weine des renommierten Winzers von der Mosel genießen international hohes Ansehen und haben zahlreiche Auszeichnungen gewonnen. Sein herausragendes Engagement zur »Förderung der kulinarischen Kultur Europas« wurde 2024 mit der Walter-Scheel-Medaille gewürdigt. Sie steht für Vielfalt, Völkerverständigung und die verbindende Kraft der Kulinarik.
Er ist ein Ausnahmetalent und ein Spitzenwinzer, der an seiner Philosophie nie etwas geändert hat: der kompromisslosen Qualität, der tiefen Verbundenheit mit dem Terroir von Mosel und Saar sowie der Überzeugung, dass Weine ihre Herkunft und den Charakter der Rebsorte authentisch widerspiegeln müssen. Wie das gelingt?
»Die Trauben werden per Hand verlesen, die Weine spontan vergoren, der Ausbau geschieht ohne Zeitdruck«, sagt er. »Ein Wein braucht Geduld, um sich entfalten zu können, genauso wie der Mensch.«
Seine Weine sind dabei so vielfältig wie die Mosel selbst. Vom knackigen Kabinett bis zum opulenten Trockenbeerenauslese-Riesling - Markus Molitor versteht es, jede Facette der Rebsorte herauszuarbeiten. Besonders die Weine der legendären Lagen wie Wehlener Sonnenuhr, Ürziger Würzgarten oder Bernkasteler Doctor genießen Kultstatus. Kritiker sprechen von »flüssigem Schiefer«, wenn sie seine Tropfen beschreiben.
Seit Beginn des Milleniums zählen auch namhafte Saar-Lagen in Ockfen sowie Saarburg zum Gutsbesitz. Mit dem Erwerb der ehemaligen Staatsdomäne Serrig, einst die größte Staatsdomäne Deutschlands und als prunkvollstes Aushängeschild der goldenen Ära der Saarweine von Kaiser Wilhelm II. erbaut, bewirtschaftet das Weingut mittlerweile über 100 Hektar Rebfläche in den Toplagen von Mosel und Saar.
Insgesamt 25 Hektar Land umringen die Staatsdomäne Serrig nach dem Vorbild eines Bordelaiser Chateaus. Der spektakuläre Hang erstreckt sich auf 220 bis 340 Meter ü.m. und zeichnet sich durch ein recht kühles Mikroklima mit gutem Sonnenanteil aus, was der möglichst späten Lese entgegenkommt.
Ende der 80-er Jahre wurde die Domäne Serrig privatisiert, 2016 von Markus Molitor übernommen. Seit dieser Zeit arbeitet er akribisch an der Renovierung und Rekultivierung des Gutes. 2026 sollen die Arbeiten am Gebäude abgeschlossen sein.
Erzeugt werden dort derzeit weniger als 20.000 Flaschen Riesling: ein trocken schmeckender Grand Vin und ein feinfruchtiger, filigraner Kabinett im Stil der alten Schule. Mit dem kompletten Vertrieb dieser Weine ausschließlich über den Place de Bordeaux, dem internationalen Handelsplatz der Bordelaiser Negociants, schreibt Molitor Geschichte: Es ist das erste komplette deutsche Weingut am Place.
Dass Molitor heute einer der angesehensten Winzer der Welt ist, zeigt nicht nur der Erfolg auf internationalen Märkten. Es sind die Auszeichnungen, die ihn zu einem der wenigen deutschen Winzer machten, die mit drei Sternen im »Guide Michelin« gleichzusetzen wären: 100-Punkte-Bewertungen von Kritikern wie Robert Parker sind bei ihm keine Seltenheit. »Das ist Anerkennung, aber kein Ziel«, sagt Molitor. »Mein Antrieb ist der Wein selbst.«
Gespürt hat er diesen Antrieb schon früh. Von klein auf hilft er dem durch einen Autounfall am Arm gehandicapten Vater im Weinberg und im Keller. »Ich war tatsächlich seine rechte Hand«, erzählt Molitor. Wie seine beiden Brüder beginnt er eine Winzerlehre und schließt diese als jüngster Azubi ab. »Gegen den Zeittrend«, wie er betont. Denn in den 80-ern war der stark körperlich fordernde und zunehmend durch ausländische Importe unter Druck stehende Winzerberuf bei jungen Menschen aus der Mode gekommen.
Markus wagt dennoch recht schnell den Schritt in die Selbstständigkeit. Die Meisterprüfung verläuft parallel. Dass seine Eltern ihn trotz der großen Herausfordernungen und hoch gesteckten Ziele immer unterstützt haben, rechnet er ihnen hoch an. »Mein Vater hat mich in meinen Entscheidungen nie gebremst«, erzählt Molitor in liebevoller Erinnerung. »Für ihn gab es nur eine Richtung: nach vorne.«
Diese Richtung ist er konsequent gegangen. Mit gerade mal 20 Jahren kauft der junge Markus dem Vater das Weingut an der Mosel ab und beginnt mit wenigen Hektar Anbaufläche nahezu bei Null. Nach und nach erwirbt er weitere Flächen. »Kronjuwelen«, wie er sie nennt, deren Potenzial er erkennt und denen er wieder zu altem Glanz verhelfen will. Er weiß: Einst waren die Weine von der Mosel und der Saar die teuersten der Welt. Sie dahin zu bringen, wo sie einmal waren, wird für ihn zur Lebensaufgabe. Der Weg dorthin führt einzig und allein über 100% Qualität. Sie wird zur »Conditio sine qua non«.
Mit einer an Besessenheit grenzenden Leidenschaft setzt er bis heute ausschließlich auf Handarbeit, steuert die Ernte im Weinberg selbst und ist sein eigener Kellermeister. »Ich bin jeden Tag der Erste und der Letzte«, betont er. »Es wird keine Traube gelesen, die nicht durch meine Hand gegangen ist.«
Seine Vision ist Wirklichkeit geworden: Die Molitor-Weine sind individuelle, extrem lagentypische und ungemein lagerfähige Weine mit einer unverwechselbaren Blance, Extraktdichte und Struktur.
Der Geschmacksrichtung seiner Weine hat er seine eigene Klassifizierung gegeben. »Es geht bei einem Wein immer um Balance und Harmonie, niemals um Zahlen«, erklärt er.
Sein Engagement in der und für die Region entwickelt er unermüdlich weiter: Oberhalb des ehemaligen Klosters Machern bei Bernkastel-Kues soll schon bald auf 12.000 qm ein neues Fertigungsgebäude für die Produktion, den Ausbau und die Lagerung von Wein entstehen.
2014 wurde Markus Molitor vom falstaff zum Winzer des Jahres gewählt. Der endgültige Durchbruch an die Weltspitze gelang ihm ein Jahr später, als er für drei seiner Weine die jeweils höchste Wertung von 100 Parker-Punkten erhielt. 2015 wurde er mit seinem Weingut vom Gault & Millau mit vier von fünf Trauben geehrt.
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