Wie kann ein seit langem bestehendes Gewerbegebiet in einen "Ökoindustriepark" mit ressourcenschonender Energienutzung umgewandelt werden? Diese Frage steht im Mittelpunkt eines Modellprojekts des Trierer Rathauses, das vom rheinland-pfälzischen Umweltministerium mit zunächst 50.000 Euro bezuschusst wird. Ministerin Ulrike Höfken übergab den Fördermittelbescheid nun an Oberbürgermeister Wolfram Leibe.
Ziel des Projekts ist es, den Betrieben und Unternehmen im Industrie- und Gewerbegebiet Trier-Nord wirtschaftliche, technische und ökologische Optimierungen hinsichtlich der Energieerzeugung und -verwendung aufzuzeigen. Dabei soll der zurzeit in der unmittelbaren Nachbarschaft entstehende Energie- und Technikpark (ETP) der Stadtwerke für Synergieeffekte genutzt werden.
"Trier ist Vorreiter"
"Trier ist in Sachen Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz eindeutig ein Vorreiter – ob es um die Realisierung der Energie- und Wärmewende geht, um kommunalen Klimaschutz, ökologisches Bauen oder Elektromobilität. Darum unterstützen wir sehr gerne die Machbarkeitsstudie für eine ökologische Sanierung des Industriegebiets Trier-Nord. Es handelt sich hier um ein Modellprojekt, das bundesweit nahezu einmalig ist und darüber hinaus auf andere alte Industriegebiete in Rheinland-Pfalz oder über die Landesgrenzen hinaus übertragen werden kann", sagte Umweltministerin Ulrike Höfken bei der Förderbescheidübergabe. "Die Förderung dieses Projekts aus Landesmitteln ist deshalb ein richtiger Schritt zur Schonung ökologischer Ressourcen und der Sicherung der Zukunftsfähigkeit bestehender Betriebe und Arbeitsplätze."
OB hofft auf bessere Wettbewerbsfähigkeit
OB Wolfram Leibe geht davon aus, dass mit der jetzt anstehenden Machbarkeitsstudie der wichtige Standort- und Kostenfaktor Energie im Industriegebiet flächendeckend erfasst werden kann. "Damit einher geht das Aufzeigen von Wegen zum Einsparen von Energie, insbesondere durch Verwendung regenerativer Energieträger und Wärme. Letztendlich erhoffe ich mir dadurch eine Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit für die in Trier-Nord angesiedelten Betriebe", so Leibe. "Entscheidend für den Erfolg dieses landesweit bisher einmaligen Projekts ist jetzt, dass wir die Unternehmen einbeziehen können."
Synergien fördern
Synergien können zum Beispiel entstehen, indem das aus Photovoltaik und aus dem Hauptklärwerk gespeiste CO2-neutrale Strom- und Wärmenetz des ETP auf weitere Betriebe ausgedehnt wird. Auch ein automatisiertes Energiemanagement könnte vom ETP auf das bestehende Gewerbegebiet übertragen werden. Dabei werden die in der Vergangenheit erfassten Energieverbräuche und -bedarfe von einem selbstlernenden System auf Ereignisse und Anforderungen in der Zukunft ausgerichtet.
Der Reiz des Vorhabens
Die Idee für das Modellprojekt eines Ökoindustrieparks wurde von Dr. Johannes Weinand, Leiter des Amts für Stadtentwicklung und Statistik im Rathaus, in Abstimmung mit dem rheinland-pfälzischen Umweltministerium entwickelt. Die energetische Optimierung eines relativ alten Industrie- und Gewerbegebietes mit bestehenden Betrieben und Unternehmen macht aus Weinands Sicht den Reiz des Vorhabens aus: "Die Besonderheit liegt darin, dass erstmals die Entwicklung und Umsetzung eines grünen Industriegebiets im Bestand realisiert werden soll, also nicht auf einem neu erschlossenen Areal oder einer Konversionsfläche."
RED/PA